Den Wunsch an einem Hilfsprojekt teilzunehmen habe ich schon mehrere Jahre. Ich habe mich die letzten zwei Jahre bei mehreren Hilfsprojekten informiert und mich am Ende für Supernurse entschieden. Die flexiblen Daten für den Projektsaufenthalt und die unkomplizierte Bewerbung haben mich sofort überzeugt.
Aus den unterschiedlichen Projekten habe ich mich dazu entschieden meine 4 Wochen in Kenia in zwei Projekte aufzuteilen. Die ersten 2 Wochen werden ich im Spital (Mikulinzi Hospital) verbringen und die letzten beiden Woche werde ich einen Einblick in einer Schule (Smart Angels) und Kinderheim (Mom’s Love) erhalten.
Von Zürich über Frankfurt nach Kenia
Nairobi
Ich habe 2 Wochen vor meinem Abflug über die kenianische Einwanderungsbehörde online eine elektronische Reisegenehmigung (eTA) beantragt. Das Ausfüllen dauert ca. 5-10min (am besten alle Unterlagen und den Pass vorliegen haben) und nach einem Tag hatte ich die Genehmigung per Email zugeschickt bekommen.
Ansonsten habe ich keine Dokumente und Papiere benötigt.
Ich wurde im Tropeninstitut in Zürich professionell beraten und habe mir die empfohlenen Impfungen injizieren lassen. Darunter unter anderem Gelbfieber, Hepatitis B-Auffrischung, Meningokokken,.. Ich habe mir auch die Malaria-Schluckimpfung für die Reise gekauft.
Man benötigt einen gültigen Pass und die elektronische Reisegenehmigung. Diese habe ich im Voraus beantragt. Ansonsten musste ich bei der Einreise nichts besonderes vorweisen. Wichtig ist es bereits ein gültiges Rückreiseticket oder Weiterreiseticket gebucht zu haben.
Ich habe mir alle Unterlagen im Voraus ausgedruckt.
Ich habe mir für dieses Hilfsprojekt unbezahlten Urlaub genommen. Da ich mit meinem Freund zusammen wohne, musste ich mich nicht um eine Untermiete oder die Versorgung meiner Pflanzen kümmern. Wichtig war es mir, dass ich alle Rechnungen vorher beglichen habe und auch alle Versicherungen nochmals gecheckt habe.
Ich habe diverse Medikamente, Geschenke für die Gastfamilie, Mückennetz, Handschuhe, Mundschutz und Desinfektionsmittel eingepackt. Ausserdem nehme ich mir noch ein Buch, Powerbank und einen kleinen Block zum Malen mit.
Am meisten freue ich mich auf die neue Challenge, die Eindrücke, die Kultur und auch die Menschen, welche ich in diesem Monat kennenlernen werde.
Ausserdem sehe ich es als enorme Bereicherung für 4 Wochen einen Einblick in das Leben der Gastfamilie zu bekommen und die Umstände in welchen sie leben und arbeiten zu erfahren. Ich hoffe ich kann Kenya auch ausserhalb von Nairobi und dem Hilfsprojekt entdecken und kennenlernen.
Da ich alleine reise habe ich am meisten Sorge, dass ich mich zwischendurch einsam fühlen könnte oder auch unsicher, da ich dann bestimmt viel alleine unterwegs sein werde. Da ich aber ein sehr gutes soziales Feld zuhause habe bin ich überzeugt, dass ich durch meine Freunde und Familie guten Support erhalte.
Auch habe ich bedenken über die hygienischen Umstände und gesundheitlichen Risiken, wie zB. Wasser und Essensverarbeitung.
Ich habe keine Vorstellungen bzw kann mir ausser den gelesenen Erfahrungsberichten nicht viel darunter vorstellen.
Gleichzeitig sehe ich es als Chance, selbst zu lernen: über andere Kulturen, über globale Gesundheitsprobleme und über meine eigenen Grenzen. Dieses Projekt und Abenteuer wird mich herausfordern, aber mich sicherlich auch persönlich wachsen lassen.




Der Flug war angenehm und unkompliziert. Ich bin in Zürich gestartet, Frankfurt umgestiegen und dann von Frankfurt direkt nach Nairobi geflogen. Ich bin mit der Fluggesellschaft Lufthansa geflogen. Das Mittagessen im Flugzeug war sehr gut (habe die vegane Variante bereits 2 Wochen vorher online ausgewählt).
Ich bin untertags geflogen und spät abends in Nairobi gelandet.
Die Einreise ging problemlos, jedoch war eine lange Warteschlange und es hat ca. 30-40min gedauert bis ich durch die Passkontrolle konnte. Dort wurde auch die elektronische Reisegenehmigung (eTA) kontrolliert.
Das Gepäck war in der Zwischenzeit schon abholbereit. Nach der Gepäckabholung musste man sich erneut in eine Reihe stellen, da das Gepäck vor dem Ausgang nochmals durch eine Sicherheitskontrolle musste.
Ich habe vor dem Flughafen beim Ausgang vergebens auf meine Kontakperson bzw auf den Abholdienst gewartet, jedoch wurde ich nicht abgeholt. Initial habe ich mir gedacht, dass die Passkontrolle und Gepäckabholung zu viel Zeit beansprucht haben, aber als ich telefonisch auch nach 40min niemanden erreichen konnte, wusste ich dass mich niemand abholen wird. Ich habe mir also eine Hotelzimmer gebucht (zum Glück hatte ich mir in Frankfurt noch schnell eine E-Sim für Kenya online gekauft) und ein Uber besorgt. Diese Erfahrung hat mir den Start in Kenya erschwert, da es zum Einen 00:30 Uhr nachts war und ich alleine als ausländische Frau in einem Land angekommen bin, in welchem ich vorher noch nicht war.
Am nächsten Tag hat mich die Kontaktperson der dortigen Organisation kontaktiert, einen Abholdienst zum Hotel organisiert und mir die Hotelkosten für die Übernachtung retourniert.
Die erste Begegnung mit meiner Gastmutter Angela war sehr schön. Ich wurde herzlich empfangen und auf einen Tee eingeladen. Sie hat mir ihr Haus und das Zimmer gezeigt. Sie lebt alleine und kann in ihrem Haus bis zu 12 Personen beherbergen.


In meinem Zimmer gab es Platz für 3 Personen. Wir haben uns ein gemeinsames Badezimmer geteilt. Der Treffpunkt des Hauses war das Wohnzimmer, in welchem man es sich auf dem Sofa oder am Esstisch gemütlich machen und mit anderen Freiwilligen austauschen konnte. Besonders gefallen hat mir der Aussenbereich des Hauses. Es war zwar kein Garten, aber man konnte es sich mit einem Stuhl trotzdem in der Sonne gemütlich machen.
Wir hatten die ersten 2 Wochen nur kaltes Wasser, da etwas in der Leitung defekt war, aber das habe ich nicht so schlimm gefunden. Auch konnte man die Tür vom Badezimmer nicht komplett schliessen. Leider gab es nicht wirklich einen Rückzugsort, an welchem man für sich sein konnte.
Angela ist eine warmherzige alleinstehende Frau. Sie ist sehr aufmerksam, hat ein offenes Ohr und ist jederzeit verfügbar, wenn man etwas von ihr braucht. Sie ist die meiste Zeit über zuhause und ansonsten ist sie jederzeit auch auf Whatsapp erreichbar. Sei es wenn man etwas benötigt (zB Toilettenpapier), nicht zum Abendessen erscheinen wird oder auch Tipps jeglicher Art braucht. Sie kocht täglich das Abendessen (vegetarisch) für alle Freiwilligen. Für das Frühstück habe ich mir selber Joghurt und frische Früchte besorgt. Mittagessen habe ich grösstenteils im Projekt erhalten.






Mikulinzi Hospital:
In diesem Spital waren Kinder, Gebärende, aber auch allgemeinmedizinische und chirurgische Personen hospitalisiert. Man konnte sehr viele unterschiedliche Krankheitsbilder sehen.
Das junge Team war freundlich. Der spannende Teil des Tages war die Morgenvisite mit dem diensthabenden Arzt.
Schule Smart Angels:
Die Lehrer und auch die Schüler waren sehr bemüht und nett. Ich wurde gleich mit eingebunden und konnte mich am Unterricht beteiligen.
Mikulinzi Hospital:
Desinfektionsmittel, komplette Arbeitskleidung (habe nur einen Arztkittel bekommen), Handschuhe (wurden sehr wenig benutzt), Hygiene (OP-Besteck wurde mit kaltem Wasser und Seife für den nächsten OP gereinigt).
Schule Smart Angels:
grösseren Aussenbereich für die Schüler/Kindergarten (es gab nur einen sehr kleinen Bereich), Spielsachen für die kleineren Kinder (Playgroup), abwechslungsreiches Mittagessen für die Schüler (es gibt jeden Tag Reis mit Bohnen).
Mikulinzi Hospital:
kleines Team aus KrankenpflegerInnen (sind gleichzeitig pädiatrische KP, OP-Pflege und Hebammen), einige wenige Ärzte, viele Studierende und einen Apotheker.
Schule Smart Angels:
jede Klasse hat einen KlassenlehrerIn, welcher alle Fächer unterrichtet.


Am liebsten gehe ich abends ins Gym. Angela geht täglich zum Sport und hat mir in der ersten Woche ihr Fitnesscenter des Vertrauens gezeigt.
Ansonsten unternehme ich am Wochenende unterschiedliche Aktivitäten. Von Safari bis Ausflug nach Diani Beach zu einem Mallbesuch in der Stadt ist alles dabei.
Die Safari nach Masai Mara konnte ich ganz unkompliziert über die Organisation vor Ort (CIVS) buchen. Umgerechnet hat diese 360€ gekostet.
Ich habe in Nairobi am ersten Tag nach meiner Ankunft eine Stadtführung durch CIVS erhalten. Elija hat mich mit dem Matatu (Bus mit dröhnender Musik) von Buruburu in das Stadtzentrum mitgenommen. Dort hat er mir Downtown und Uptown gezeigt. Wir waren ausserdem auf einem Aussichtsturm mit herrlichem Ausblick über der Stadt. Es gäbe noch den Nairobi National Park für Safari oder das Giraffe Center, jedoch habe ich diese nicht besucht da ich im Masai Mara National Parc auf Safari war.
Ich habe mich zum grössten Teil mit dem Uber oder Bolt fortbewegt. Mir wurde zwar am ersten Einführungstag das Fahren mit dem Matatu (kenyanische Busse) gezeigt, jedoch habe ich diese alleine nie genutzt.
Für mein Projekt in der Schule habe ich bei der CIVS nachgefragt und einen fixen Boda-Fahrer (Motorrad) erhalten. Dieser hat mich sehr pünktlich (sogar oft zu früh) bei Angela abgeholt und retour gebracht. Ich war sehr froh um diese fixe Fortbewegungsart, da ich die ersten zwei Wochen öfters bei Uber abgelehnt wurde, da diese nicht in Slumgebiete fahren wollten.
Ich habe am zweiten Tag von der lokalen Organisatino CIVS eine kenyanische Simkarte mit Internet erhalten. Somit war ich überall und jederzeit online und erreichbar. Dies ist sehr wichtig für das Buchen eines Ubers/Bolt und bezahlen mit MPESA. MPESA ist ein kenyanisches Zahlungssystem, welches in jedem Laden aber auch an jedem Marktstand eingesetzt werden kann. Bei Angela zuhause gab es zudem sehr gutes Wlan.
Um ehrlich zu sein bin ich nicht viel in Bars unterwegs gewesen. Wir waren zweimal auswärts Abendessen im Lokal „Geco Café“ mit Livemusik.
In diesem Lokal konnte man sich zum Essen, aber auch einfach auf ein Getränk treffen. Es gab einen grossen Outdoorbereich, aber auch überdachte Sitzmöglichkeiten.
In der Stadt hatte ich keine Abkühlmöglichkeiten. Ich habe auch keine vermisst, da im „kälteren“ Monat (22-26 Grad) in Nairobi war. Ich bin für ein Wochenende nach Diani Beach an die Küste gefahren, jedoch hat es das ganze Wochenende geregnet und ich konnte mich nicht abkühlen.
Das leckerste Essen hatte ich ohne Zweifel bei Angela zuhause. Sie kocht täglich frisch. Es gibt sehr viel Bohnen, Linsen, Chapati, Reis, aber auch zwischendurch Spaghetti alla Angela. Ansonsten habe ich im Geco Cafè (westliche Küche), Crafty Chameleon Brewhouse (Burger und Bier) und im Village Market gegessen.








Mikulinzi Hospital:
Ich konnte bei den Visiten dabei sein und die Vitalparameter messen. Ausserdem habe ich nach der Visite die Medikamente verabreicht. Ich war bei Geburten und eine Sektio dabei. Während der Mittagszeit war leider nicht so viel los, da habe ich mich mit den kleinen Patienten beschäftigt und sie mit Luftballone aufgemuntert.
Ich habe es sehr schade gefunden, dass keines der Kinder Spielzeug oder Malsachen im Spital dabei hatte, sondern nur am Handy der Eltern Videos geschaut haben.
Schule Smart Angels:
In der Schule habe ich viel gemalt, Übungen für die 37 Schüler vorgeschrieben und Aufgaben kontrolliert.
Ein Wochenende war ich im Kinderheim. Dort habe ich bei den Vorbereitungen für das Mittagessen mitgeholfen und mit den Kindern gespielt.








Die vier Wochen in Kenya waren eine sehr schöne, lehrreiche, spannende, aber auch emotionale und fordernde Zeit. Ich habe viel über das Leben in Kenya, aber auch viel über mich selber gelernt. Es hat meinen persönlichen Horizont extrem erweitert und mir einen Einblick in das Gesundheits- und Bildungssystem ermöglicht.
Meine Erwartungen wurden erfüllt und ich bin sehr froh, diesen Schritt mit Supernurse gemacht zu haben.
Ich nehme jede Menge Erinnerungen, neue Freundschaften, Unmengen an Erfahrungen und natürlich auch Souvenirs wie Kaffee, Chapati, Schmuck,.. mit.
Diese Erfahrungen und Erinnerungen werde ich wahrscheinlich erst im Laufe der nächsten Wochen und Monate so richtig verarbeiten und realisieren.
Ich habe mir Nairobi zuerst nicht so laut und so unruhig vorgestellt, aber nach vier Wochen habe ich das gar nicht mehr so wahrgenommen und mich daran gewöhnt. Auch das Krankenhaus und die Schule habe ich mir anders vorgestellt.
Ich habe gedacht ich finde im Krankenhaus Möglichkeiten zur Händehygiene und einige Hilfsmittel. Es wurde mir dann erklärt, dass sie dies zwar alles in ihrer Ausbildung (ähnlich wie in der Schweiz) lernen, aber es je nach Krankenhaus einfach noch an Ressourcen fehlt.
Positiv aufgefallen ist mir die Lebensfreude und die Zufriedenheit der Menschen, obwohl sie ganz andere Voraussetzungen und Chancen haben im Vergleich zu anderen Ländern. Ich wurde immer freundlich empfangen und auch wieder sehr herzlich verabschiedet.
Negativ aufgefallen ist mir im Spital der Umgang mit den Patienten. Ich hatte das Gefühl, dass zB den gebärenden Frauen mit wenig Empathie begegnet wurde. Es gab einen Raum mit einer Liege auf welcher alle Geburten durchgeführt wurden. Anschliessend wurde diese Liege einfach mit kaltem Wasser gespült. Es gab für die Frauen keine Möglichkeiten unterschiedliche Positionen ausser der Rückenlage während der Geburt einzunehmen. Zudem durfte der Ehemann erst nach der Geburt ins Krankenhaus kommen.





